Hochsensibilität

Mit allen Sinnen leben – trotz allem

mit allen sinnen leben (text auf farbenfrohem acrylbilddetail) ©Johanna Ringe 2022 www.dein-buntes-leben.de

Wie immer in dieser Zeit des Jahres macht mein Körper es mir schwer mich wohlzufühlen. Heuschnupfen, Allergien und dadurch getriggerte Neurodermitis sind anstrengend. Ich bin im Clinch mit meinen Sinnen – zu viel unangenehme Wahrnehmungen. Die Welt mit all ihrem Irrsinn trägt zum allgemeinen Unwohlsein bei, die psychischen Anstrengungen hinterlassen körperliche Spuren bei den meisten Menschen.

Dabei gibt es gerade so viele wunderbare Eindrücke – geh mal mit wachen Sinnen nach draussen…

Die Rosen beginnen ihren großen Auftritt. Rosenbüsche überladen mit Knospen machen sich Luft in den ersten duftenden Blütenwellen. Der Kuckuck ruft, so dass unser ganzes Tal widerhallt. Dicke pelzige Hummeln taumeln durch den Garten, während die Ameisen vor lauter Blattläusen ihr Glück gar nicht fassen können. Die Katzen wälzen sich in der warmen Erde, schnappen nach Fliegen oder schnuppern an Rosenknospen. Das Kräuterbeet explodiert. Eigentlich explodiert die gesamte Flora. Die Zweige des Holunders biegen sich unter der Last der vielen weißen tellerförmigen Blüten weit nach unten. Ab und zu weht eine Wolke schwer süßer Fliederduft herüber von den letzten verwelkenden Büschen beim Nachbarn, und wenn man über die Wiese läuft, tritt man manchmal in Zitronenmelisse.

Abends bekommt man Lust auf Lagerfeuer.

Auch in der Küche stapeln sich Sinnesfreuden: Spargel, Beeren, Kräuter, frische Kartoffeln … Sie alle warten darauf zubereitet zu werden. Selbst das Wasser scheint nach Blumen zu schmecken, frisch und kühl im Glas. Ein duftender Tee. Ein herber voller Wein. Frisch gebackenes Brot.
Manche Menschen tun es den Katzen nach: Sie schieben sich den Stuhl in einen Sonnenfleck, nur um nach einiger Zeit hechelnd in den Schatten zu wandern, Wasser zu trinken, und kurz zu verharren bevor irgendein Insekt vorbeischwirrt und sie wieder dazu animiert, in die Sonne zu gehen. Andere, wie ich, meiden die direkte Sonne, unter der Markise sitzend, und genießen jede Brise, die ihre Haut streichelt oder ihr Haar zaust (wie die schwarze Katze, die mit Vorliebe im Schatten unter den Büschen liegt).

Ob Sonnenanbeter oder Windsbraut – es drängt uns hinaus.

Um meine rosensüchtige und windliebende Seele mit meinem allergiegeplagten Körper zu versöhnen, muss ich jeden Abend gründlich duschen und Haare waschen, um ohne Pollen ins Bett gehen zu können. Bei geschlossenem Fenster schlafen. So ich denn schlafen kann vor lauter Juckreiz, tränenden Augen und tiefer Unruhe. Und dennoch: trotz des fehlenden Schlafes sehe ich morgens die Sonnenstrahlen durch den Rollladen blitzen, und die dicken Hummelpos übers Kräuterbett schaukeln, und merke, wie meine Seele sich entspannt, den Sinnen sei Dank.

Irgendwann wird der Schlafmangel sich rächen, aber jetzt ist Frühsommer. Und das heißt eben nicht nur Heuschnupfenzeit und wahnsinnige Kriegstreiber.

Indem ich bewusst all meinen Sinnen etwas Gutes tue, komme ich besser mit meinen gesundheitlichen Herausforderungen zurecht. Es ist heilsam Düfte, Farben, Geschmacksexplosionen, Zärtlichkeiten und Musik genauso zu genießen wie das Wechselspiel zwischen Ruhe und Bewegung, konzentrierter Stille und gutem Sex, Einsamkeit und fröhlicher Gesellschaft. Es macht Spaß, sich über das Thema Sinne zu informieren und damit zu experimentieren, welche Wahrnehmungen wir bewusst erleben können, die über die gewöhnlichen fünf Sinne hinausgehen.

Das ist ein Bereich, in dem wir hochsensiblen Menschen ganz klar die Nase vorn haben!

Hast Du einen guten Orientierungssinn? Und wie ist das, wenn Du mit dem Taxi durch eine fremde Stadt gefahren bist – hast Du dann eine ungefähre Vorstellung von den Himmelsrichtungen?
Kannst Du im Stockdunkeln durch einen vollgestellten Raum gehen, ohne Dich zu stoßen?
Spürst Du, wenn Menschen in Deiner Nähe sind, auch wenn Du sie nicht hörst oder siehst?
Wie präzise ist Deine Wahrnehmung im Raum? Und was bedeutet das für Dein Wohlbefinden an Bord eines Schiffes?
Hast Du so eine gute Körperwahrnehmung, dass Du eine Übung akkurat nachmachen kannst, die ein Trainer Dir einmal vorgemacht hat?
Kannst Du Räume „lesen“, also Stimmungen wahrnehmen?
Spürst Du den Schmerz im eigenen Körper, wenn Du ein Missgeschick siehst?
Spürst Du die Körperempfindungen nach, wenn dir jemand etwas erzählt?
Wie gut ist dein Zeitgefühl?
Spürst Du sofort, wenn in Deinem Körper etwas nicht in Ordnung ist?
Spürst Du sehr genau, ob ein Nahrungsmittel Dir guttut?
Kann ein Musikstück dich vollkommen überwältigen und woandershin transportieren?

Lebst Du jeden Tag Dein Leben mit allen Sinnen?

Herzlichst, wo immer Du Dich gerade erlebst,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

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