Selbstannahme

Was nährt Dich?

Was die Seele nährt. Schriftzug auf Foto von Hortensienstrauß in altem Wasserkrug. (c)Johanna Ringe 2017. www.dein-buntes-leben.de

Wenn ich mich frage, was mich nährt, dann denke ich nicht unbedingt nur an die körperliche/physische Nahrung. Selbstverständlich geht es mir besser und ich habe mehr Energie wenn ich mich gesund und bewusst ernähre. Aber was nährt mich eigentlich?

Meine Seele kann auch hungern oder dürsten. Dann ist die beste körperliche Ernährung nicht ausreichend, um gesund zu sein.

Wenn mein Körper nach Berührung durch andere Menschen dürstet, dann ist das genauso wichtig: Babys brauchen nicht nur Nahrung, sie brauchen auch Berührungen, Nerven in der Haut wollen stimuliert werden. Nur wenn auch unser Hauthunger befriedigt wird sind wir gesund.
Auch nach Bewegung können wir hungern. Unsere Muskeln können nach langem Stillhalten beginnen, auf recht anstrengende Weise auszudrücken, dass wir uns bewegen müssen. Das erleben wir alle auf langen Reisen oder bei Bettlägerigkeit, sobald die Kraft zurückgekehrt ist.

Wir haben also auch auf körperlicher Ebene mehr als nur Hunger auf Essen. Dennoch bleibt ein wichtiger Aspekt: was nährt meinen Geist? Und was nährt meine Seele?

Weißt Du, was Deinen Geist nährt? Ich kann Dir ein paar Beispiele bringen: mich nährt Schönheit. Unabhängig davon, ob das schöne Menschen, schöne Bilder oder Skulpturen, schöne Räume oder schöne Landschaften sind – was mir schön erscheint gibt mir bei seinem Anblick Kraft. Angeführt wird die Liste im Übrigen vom Meer… sein Anblick nährt und heilt mich.
Auch neue Geschichten nähren meinen Geist, interessante Bücher oder Filme, die über die üblichen Motivvariationen hinausgehen. Von dieser eher passiven Form der Geistesnahrung abgesehen ist meine geistige Lieblingsnahrung das intellektuelle, gerne auch absurde oder spekulative Gespräch mit einen klugen Gegenüber. Wenig macht meinen Geist und auch meine Seele so glücklich und satt wie eine gemeinsame Spekulation über die Natur des Universums oder das Verhalten von irgendwelchen absurden Gestalten in hypothetischen Zusammenhängen! Wunderbar, vollkommen zweckfrei und äußerst nahrhaft. Überhaupt erfreue ich mich an Absurdem und Schrägem – und genau darum geht es:

die Dinge an denen Du Dich erfreuen kannst, das sind die Dinge die Dich nähren!

Vielleicht braucht Deine Seele den Kölner Dom oder die Zugspitze, den Sternenhimmel oder die Goldberg Variationen – was auch immer es ist, gönne es Dir regelmäßig!
Sei dir vor allem in seelischen Dürrezeiten, wenn einiges im Leben nicht so gut läuft, dessen bewusst, dass du deine Energiespeicher mit anderem als Gummibärchen oder Schokolade auffüllen kannst. Bildbände, Filme, das Internet, Nachbarn und Freunde – sie alle können den nähren, wer weiß wonach er hungert.

Oft ist es gar nicht so leicht, den seelischen Hunger vom körperlichen Hunger zu unterscheiden: wir fühlen uns leer und bedürftig, und der Kühlschrank stellt nun mal keine Fragen.

Bitte, erforsche Dich, beobachte Dich, und lege Dir eine Liste an:
Die Liste der Dinge die mich nähren. oder: Alles was mich wirklich glücklich macht.

Ein Ausschnitt aus meiner Liste:

  • Aufs Meer schauen, egal bei welchem Wetter
  • Wind in den Haaren und Ohren
  • meine Katze schlafen sehen
  • Meine Katze streicheln
  • Fremde Katzen kennenlernen
  • Worte wie Gugelhupf oder schnurrig oder Krawallschachtel
  • In weicher Wolle wühlen und schwelgen
  • Mit bunten Farben spielen: Bilder, Stoffe, Stifte…
  • Regenbögen
  • ein freier Blick bis zum fernen Horizont
  • Etwas mit eigenen Händen erschaffen: backen, stricken, nähen…
  • Dinge harmonisch arrangieren
  • die Geräusche eines Bambus-haines im Wind
  • Mich über scheinbar Irrelevantes unterhalten
  • Skurrilitäten und Absurdes
  • Monty Python`s Flying Circus

Beim Anlegen dieser Liste ist darauf zu achten, dass sowohl ganz Außergewöhnliches wie Reisen an bestimmte Orte, als auch Alltägliches, gut erreichbares, wie die Lieblingsbücher oder die Lieblingsmusik auf der Liste landen.

So sind wir für die kleinen und die großen Hungerattacken vorbereitet.

Gerade wenn wir krank sind, körperlich angeschlagen oder einfach ans Haus gebunden, dürstet unsere Seele oft. So sollten wir für diese Fälle immer einen Notfallplan haben. Ganz so wie die Kekse im Handschuhfach bei einer längeren Autofahrt. Hänge Deine Liste in den Badezimmerschrank, oder neben das Bett, irgendwohin, wo sie Dir ins Auge springt, wenn Du Dich einfach nur verkriechen willst.

Lege Dir eine Schachtel mit Seelennahrung an, und berücksichtige dabei alle Sinne:
  • schöne Postkarten,
  • Erinnerungsstücke wie Konzertkarten,
  • Telefonnummern von den Freunden,
  • weiche Wolle,
  • einen Block und Buntstifte,
  • eine Liste mit Deinen Lieblingsfilmen die Du immer gerne noch mal sehen möchtest
  • Deine Lieblingscreme oder Parfüm
  • ein Seidenband in schönstem Himmelblau,
  • ein ganz glatter Kieselstein,
  • eine Dose Salmiakpastillen oder Zitronendrops,
  • ein Kaleidoskop
  • eine Mundorgel
  • bunte Knöpfe
Genauso wichtig ist es, immer mal wieder den großen Hunger der Seele nach Neuem, nach Großartigem, nach gewaltigen Eindrücken zu befriedigen.

Der Dalai Lama sagt man soll mindestens einmal im Jahr irgendwo hingehen, wo man noch niemals vorher gewesen ist. (Ich halte das für das Minimum! Besser wäre es, jeden Monat einen kleinen Umweg zu machen, mal in die übernächste Stadt zu fahren, oder beim Spaziergang anders abzubiegen. Auch wenn ich in einen Vorgarten schaue, den ich noch nie gesehen habe obwohl er nur 150 m von meinem Haus entfernt ist, nährt das meine Seele.) Also Reise! Gehe in Museen! In Konzerte!

Gehe gerade auch dahin, wo Du nicht sowieso landest. Sei offen für Überraschungen.

Auf dem Weg zur Tante verfahren? Sofort bewusst die Umgebung wahrzunehmen hilft auch, nicht in Panik zu verfallen. Vielleicht kennt der Mann in dem lustigen Garten ja einen Schleichweg?
Falscher Radiosender? Vielleicht entdeckst Du eine Musikrichtung neu (oder wieder), deren Existenz du nie richtig zur Kenntnis genommen hast, die aber gerade hervorragend zu deiner Laune passt. Oder du wirst von etwas in einem Radiobeitrag auf Ideen gebracht und deine Kreativität sprudelt.
Selbstverständlich nährt auch das Lieblingsessen deine Seele, und die alte Wolldecke in die schon Deine Oma abends immer ihre Füße gewickelt hat.

Es geht nicht nur um Neues, auch das Geborgenheit vermittelnde Alte nährt Dich.

Also gehört auch dies auf Deine Liste:

  • Liebgewonnene Gewohnheiten
  • gemütlich eingelaufene Pantoffeln
  • Lieblingsgetränke und -gerichte
  • diese flauschige Decke
  • Der alte Pullover
  • Der Badezusatz der nach dem Italienurlaub duftet

Wie man ein gutes Gericht aus verschiedenen Geschmacksrichtungen, Konsistenzen und Zubereitungsmethoden komponiert, so hilft der dürstenden und hungernden Seele Vieles:

Neues und Altes, Sanftes und Wildes, Lautes und Leises, Verwegenes und Entspannendes. Die Mischung macht‘s.

Ich wünsche Dir viel Vergnügen bei Deiner Mission „Satte Seele“!

Herzlichst, wo immer Du gerade bist,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.deP.S.: Zur Mission „Satte Seele“ wird es ein Seminar geben… stay tuned!

P.P.S.: Lieben Gruß an die stillen Leser: ich freue mich, dass Du hier bist, aber zeig mir doch Deine Präsenz ab und zu durch einen kleinen Kommentar – das würde meine Seele nähren… vielleicht magst Du weitere Ideen für Seelennahrung mit uns teilen?

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6 Kommentare zu “Was nährt Dich?

  1. Danke für diese effektive Zusammensetzung aller wichtigen Dinge welche uns nähren. Es fühlt sich gut an, es zu lesen und zu wissen: nicht alleine auf der Suche zu sein. :-)
    Beim Lesen dieser Zeilen, werde ich mir bewusst, dass ich umgeben und gut aufgehoben bin. Es fehlt an nichts, außer der Wahrnehmung und der Dankbarkeit.
    In Liebe und von Herzen LILLI

  2. Toller Beitrag

    Ich liebe tolle Wortschöpfungen:
    zauberschön, wundertoll, wichtelhaft und all jene Eigenschaft die jeder in sich verborgen trägt ….
    auch Du!

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