Dein Körper und Du (Schrift vor Acrylbild: sitzender Körper mit Flügelherz und abstraktem Hintergrund) ©Johanna Ringe 2022 www.dein-buntes-leben.de

Ich weiß, Dein Körper ist nicht perfekt. Es gibt Dinge, die Dir an Deinem Körper nicht gefallen. Und es gibt vermutlich Dinge, die Du mit Deinem Körper nicht tun kannst, andere mit ihren Körpern aber schon. Vermutlich hat Dein Körper irgendwelche Makel, Unreinheiten oder Krankheiten. Wenn Du nicht mehr jugendlich bist, dann gibt es mit Sicherheit Dinge, die Dein Körper nicht mehr tun kann bzw. die deutlich anstrengender geworden sind im Laufe der Jahre. So ist das nun mal mit einem Körper, er verändert sich, er wird älter.

Ja, Ein Körper braucht Wartung und Zuwendung.

Es ist normal, dass der Körper sich verändert. Das muss nicht unbedingt negativ sein, es kann ja auch sein, dass Du stärker wirst, schneller wirst oder Dinge gelernt hast, die in Dein Körpergedächtnis übergegangen sind. Und es gibt natürlich Dinge, die leichter werden für Dich, in Deinem Körper, weil Du sie immer wieder tust. Damit meine ich nicht das Körpergedächtnis wie bei Sport, sondern ich meine Dinge wie Sex, Kochen oder Malen. Manche Dinge üben wir mit unserem Geist, andere Dinge üben wir mit unserem Körper.

Und nur gemeinsam mit dem Körper kann unser Geist sich ausdrücken.

Wenn man einen Künstler sieht, der mit lockerer Hand und einigen Strichen auf Papier die Seele einer Person einfängt, dann sieht man nur die Leichtigkeit darin. Die vielen Stunden, die diese Hände mit Stift und Papier verbracht haben, sehen wir nicht. Wir sehen nicht die fortgeworfenen Entwürfe. Wir hören nicht den Frust, die Verzweiflung. Wir sehen vielleicht nur das Endergebnis oder den geübten Meister, wie er tut was er am besten kann. (Und wenn wir im Bett im Einklang mit unserm Partner sind, dann erinnern wir uns nicht an die ungeschickten Anfänge der Liebesaffäre mit unserem Körper. Wir geniessen es, ihn so gut zu kennen…)

Unsere Vorlieben was Sinneseindrücke angeht verändern sich auch.

Wenn wir als Kind keinen Brokkoli mochten, ihn als Erwachsene aber entdecken, ist das ganz normal. Ich will gar nicht über erlernte Vorlieben sprechen, über würzigen Käse oder Wein. Sich nur bewusst zu machen, wie ein Koch wieder und wieder ein Gericht abschmeckt, macht schon deutlich wie viel wir unseren Körpern verdanken. Ohne Deinen Körper schmeckst Du nicht Dein Essen, hörst Du keine Musik, riechst Du keinen Blütenduft.

Ohne Deinen Körper hast Du keine Verbindung zur Welt.

Dabei ist es nicht wichtig, wie gesund, wie normschön, wie fähig, wie vollständig oder wie alt Dein Körper ist. Es ist auch irrelevant, ob Dir alle Sinne zur Verfügung stehen. Solange Dein Gehirn irgendwelche Sinneseindrücke empfängt, bist Du der Welt verbunden.
Bei Sinnen zu sein, wach wahrzunehmen welche Informationen die Welt Dir gerade präsentiert, das heißt lebendig sein.

Wenn Du Dich lebendig fühlen willst, sei bei Sinnen.

Ganz egal wie es Deinem Körper gerade geht, ob Du von Juckreiz geplagt bist, von Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen, ob Du im Rollstuhl sitzt, im Bett liegst oder in irgendeiner anderen Art eingeschränkt bist, eines kannst Du immer tun: Du kannst Dir einen Sinneskanal wählen, der Dir Freude bereiten kann. Je nach Deinen Vorlieben und Fähigkeiten könntest Du beispielsweise Musik hören, die Dir gefällt. Du könntest Dir Düfte besorgen (oder besorgen lassen), die Du interessant oder angenehm findest. Du könntest Bilder anschauen, Kunst, Fotos oder Farben oder Filme… Du könntest Dir einen besonderen Geschmack suchen, die Dir unbekannte Küche eines Landes entdecken. Du könntest ein Tier streicheln oder in irgendeiner Form Deine Sinnlichkeit oder Deine Sexualität geniessen.

Selbst wenn wir krank sind, kann es noch einen Sinneskanal geben, der Freude bereitet.

Bevor Du Deinen Körper verfluchst, versuche erst einmal eine Kooperation mit ihm aufzubauen. Ich habe gerade einen Neurodermitis Schub wie zuletzt als Kind. Mein Körper macht es mir gerade sehr schwer, mich in ihm wohlzufühlen. Ich schimpfe, ich weine, ich fluche. Aber gestern habe ich meine schmerzenden, juckenden, für vieles nutzlosen Hände nach Pinsel und Palette greifen lassen, und habe an einem Bild weiter gemalt. Ich habe Farben über Farben gelegt, dabei zugeschaut wie Neues entsteht, unter meinen trotz allem fähigen Händen. Ich habe meinen Fokus nach und nach von Schmerz und Juckreiz auf das Erschaffen von Schönheit verschoben.

Es hat mir so gutgetan, trotz Schmerz und KrANKHEIT etwas zu tun was ich liebe.

Ich war ungeheuer vorsichtig, um keine Farbe auf mein Ekzem zu bekommen; den Pinsel zu halten hat einfach nur wehgetan, aber es ging. Ich konnte etwas tun. Ich war nicht länger hilflos dem ausgeliefert, was meinen Körper gerade heimsucht. Im Gegenteil: ich konnte aktiv meinen Körper entlasten, indem ich für gute Gefühle sorgte. (Ein schöner Film oder eine gute Schallplatte hätte den Zweck vielleicht bei Dir erfüllt – Du wirst am besten wissen, was Dir gut täte…)

Dabei habe ich mich stark gefühlt, kraftvoll. Und mich erinnert, wie lebendig mein Körper trotz allem ist.

Selbst wenn Du Dich von Deinem Körper verraten fühlst, kannst Du oft Deinen Verstand nutzen, um Dir auf Umwegen etwas Gutes zu tun, was Dir hilft mit Deinem Körper wieder Frieden zu schließen.

Du und Dein Körper ihr seid vielleicht nicht eins, aber ihr seid ein gutes Team.

Herzlichst, wo immer Ihr gerade seid,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

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