Hochbegabung Hochsensibilität

Lob der Freundschaft! Aber was ist das und wozu?

Das Wort Freundschaft auf einem Photo von zwei Menschen, die auf einem Steg am Wasser sitzen. (c)2018 Johanna Ringe www.dein-buntes-leben.de

Freundschaft, ein viel benutztes Wort. Doch was sich genau dahinter verbirgt, ist den wenigsten von uns bewusst. Selbstverständlich haben wir Freunde und Freundinnen, und sind unglücklich, wenn Freundschaften zerbrechen, oder wir abgeschnitten sind von unseren Freunden sind.

Es gibt ein selten in Worte gefasstes Wissen darüber, was Freundschaft ist.

Einige Aspekte von Freundschaft sind Vertrauen, Verlässlichkeit, Verständnis, Offenheit, Ehrlichkeit, Zuneigung und ein gewisses Maß an Intimität. (Hier soll es weder um friends with benefits gehen, noch darum, dass eine Ehe mit dem besten Freund eine gute Idee sein kann.) Es gibt verschiedene Definitionssversuche, aber dass Freundschaft für den Menschen wichtig ist, darin stimmen die Weisen aller Zeiten überein.
Offenbar braucht der Mensch eine Hand voll gute Freunde.

Diese handverlesenen Freunde bestärken uns auf unserem persönlichen Weg, dienen als Spiegel und als Korrektiv, und unterstützen uns in schweren Zeiten.

Darüber hinausgehende Freundschaften, oft aus Nachbarschaft, Kollegen oder gemeinsamen Interessen entstanden, bleiben oft auf einem oberflächlicheren Niveau. Die Menge an Menschen, denen man sein innerstes offenbart, die man mitten in der Nacht anruft wenn nötig, die man auch in Krankheit und Schmerz gerne um sich hat, ist limitiert. Die genaue Anzahl ist selbstverständlich individuell verschieden.
Es gibt die Freunde, mit denen man gemeinsam aufwächst: Kindergartenfreunde, Schulkameraden, Studienkollegen – kurz:

Freundschaft entsteht gerne aus Schicksalsgemeinschaften.

Das kann genauso gut eine Schwangerschaft, ein längerer Krankenhausaufenthalt, oder eine beeindruckende Reise sein. Menschen, mit denen wir aufwühlende Erlebnisse teilen, kommen uns nah. Wenn dann andere Faktoren auch noch stimmen, kann eine Freundschaft entstehen. Zu diesen Faktoren zählen Sympathie, gemeinsame Werte, gemeinsame Interessen, kompatible Kommunikationsformen und die beiderseitige Bereitschaft, eine Freundschaft einzugehen.

Es gibt aber auch die Freundschaft, die nicht aus einer Schicksalsgemeinschaft, sondern aus der Begegnung entsteht.

Du lernst jemanden kennen, irgendwo, und schon im ersten Gespräch wird deutlich, das ist jemand, der Dich wirklich versteht:

  • Die schaut mir direkt in den Kopf!
  • Der begreift ohne viele Worte worum es mir geht.
  • Die hat das genauso erlebt wie ich.
  • Der sieht das genauso!
  • Sie blickt mir direkt in die Seele.

Alle diese Sätze werden oft begleitet von einem inneren Staunen, während man sich äußerlich in einem intensiven Austausch wiederfindet.
Bei hochsensiblen Personen bringt eine solche Begegnung das Innenleben ähnlich in Wallung wie eine beginnende Liebesbeziehung, ja, es kann hierbei zu Verwechslungen kommen. Die Sehnsucht nach Verschmelzung ist groß, und die Differenzierung hier kompliziert:

Die Intimität, die entsteht, wenn man sich geistig austauscht und versteht, gehört zu den wenigen Dingen, die die existenzielle Einsamkeit des Menschen lindern können.

Sinnliche sexuelle Begegnungen können das auch, wenn sie mit offenem Herzen und unter Beteiligung der ganzen Persönlichkeit stattfinden. Die Verschmelzungsgefühle im Bett sind noch intensiver, wenn die geistige Berührung dazu kommt. Wer jedoch keine Liebesbeziehung hat, zieht seine zwischenmenschlichen Berührungen oft aus seinen Freundschaften. Und wer besonders anders als die meisten ist, braucht um so mehr einen Freund.  Der Mensch kann auf Freundschaften verzichten oder auf Beziehungen, aber nicht auf beides:

Der Mensch kann auf Dauer nur gesund sein mit dem einen und/oder dem anderen zwischenmenschlichen Kontakt auf einer intimen Ebene.

Dir fehlt eine solche innige Freundschaft? Wie gut, dass so viele Wege nach Rom führen. Ob Du den Kontakt zu Sandkastenfreunden aufleben lässt, im Internet nach Menschen suchst, die Deine Leidenschaften teilen, oder einfach mal im Restaurant Dich an einen Tisch dazu setzt – Sinn und Zweck der Übung ist klar: Du suchst Kontakt, Berührung, Freundschaft.

Und wenn Du Dir darüber im Klaren bist, und weißt, was Du in einer Freundschaft erwartest, und was Du in einer Freundschaft zu geben bereit bist, dann stehen die Chancen gut, dass Du das auch finden wirst.

Herzlichst, wo immer Du gerade bist,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

P.S.: Eine hochinteressante Arbeit über das Thema Freundschaft heute und im Wandel der Zeiten, auch unter Gesichtspunkten der Geschlechterforschung, findest Du hier. Danke an Juliane Härtwig, dass sie ihre Diplomarbeit zugänglich gemacht hat!

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