Imagine

Imagination II: Stell Dir einen Wald im Frühling vor…

Imagination: Stell Dir vor.... (Text auf Acrylbild eines freundlichen blauen Vogels) ©2020 Johanna Ringe www.dein-buntes-leben.de

Stell Dir vor, Du öffnest Deine Augen und findest Dich auf einem Baumstumpf sitzend mitten im Frühling, im sonnendurchfluteten, luftigen Wald wieder.

Zuerst bemerkst Du die Stille.

Aber dann wird Dir klar wieviel es im Wald zu hören gibt: den Wind in den Blättern, das Summen von Insekten in der Luft und das Rascheln unzähliger kleiner Lebewesen, die im Unterholz und auf dem Boden herumkrabbeln.
Und jetzt Vogelgesang! Du schließt wieder die Augen, nur für einen Moment, um diesem Vogel zuzuhören. Das ist kein Alarmruf – das ist pure Freude, in Gesang verwandelt!
Jetzt antwortet ein anderer Vogel.

Und da, von fern, hörst Du noch etwas anderes. Ein seltsames Vibrieren.

Du stehst auf und schaust dich um. Da sind viele kleine Punkte, die durch die Luft sausen. Einige sind schwarz, andere sind braun und flauschig, und wieder andere sind gelb und schwarz. Du kannst kein Muster in ihren Flügen finden – aber sie scheinen alle ein Ziel und einen Fokus zu haben.
Etwas raschelt in den getrockneten Blättern des letzten Jahres, etwa einen Meter von Deinen Füßen entfernt, und Du schaust Dich um. Du kannst es nicht sehen, aber Du erahnst ein winziges Nagetier, das von Deiner Anwesenheit überrascht nun aufgeregt herumwuselt. Du lässt es in Frieden und setzt Dich in Bewegung.

Etwas dort hinten, versteckt hinter Bäumen und Sträuchern, zieht Deine Aufmerksamkeit auf sich. Du gehst darauf zu: Deine Neugier ist geweckt…

Um Dich herum wiegt sich diese Mischung aus sehr alten und sehr jungen Baumwesen, die Du schon immer am wilden Wald geliebt hast. Die großen Bäume, mit der Anmut und Würde des Alters, geben dem Rest der Waldbewohner Schutz unter ihren prächtigen Kronen. Dann gibt es andere, jüngere, kühn und voller Saft, die vor Kraft fast platzen. Kämpfen sie gegeneinander um Licht und Raum, oder interpretiert Deine Fantasie die West Side Story in das Dickicht hinein?

Du kicherst, und das macht das allgegenwärtige Rascheln und Krabbeln für einen Moment lauter.

Eine Welle geht durch die winzigen Babybäume. Sie erobern jeden freien Bereich des Waldbodens, sprießen durch das trockene Laub des vergangenen Herbstes und das junge Grün der Frühlingsblüten. Sie scheinen so naiv zu sein, so vertrauensvoll in ihrem Eifer. Du bückst dich kurz, um einige dieser frischen, winzigen Ausbrüche des Lebens zu streicheln. Dann folgst Du weiter dem Summen, durch ein Meer von leuchtenden Anemonen.

Jetzt bist Du fast am Ziel.

Du stehst am Rande einer Lichtung, voller Sonnenlicht, üppiger Sträucher und dem Geruch von Kräutern. In ihrer Mitte steht ein alter, abgestorbener Baumstamm mit einer Öffnung, und aus dieser schwarzen Öffnung kommt das Summen, das Du schon die ganze Zeit hören konntest.
Du nimmst plötzlich die Bienen wahr. Tausende von ihnen: Bienen in den Kräutern, Bienen in der Luft, Bienen, die in den Stamm hinein- und herausfliegen.
Dann, als ob Dein Geruchssinn plötzlich eingeschaltet worden wäre, ist da dieser überwältigende Geruch von Honig!

Die plötzliche Intensität macht Dich schwindlig, und Du stützt Dich am nächststehenden Baum ab.

Die Rinde fühlt sich verblüffend kalt an, kalt und rau und an einer Stelle ein wenig klebrig. Du realisierst, dass eine Ameise über Deine Finger läuft, und wartest, bis sie sichereren Boden erreicht hat, bevor Du die Hand wieder fortnimmst.
Etwas ernüchtert folgst Du dem Rand der Lichtung und trittst schließlich aus dem Wald heraus in die Sonne. Der sanft abfallende Boden und die Sträucher geben den Blick auf einen kleinen Bachlauf frei. Mit einem weiten Bogen um den Bienenstock näherst Du Dich dem Wasser.

Am Bachufer angekommen, setzt Du Dich auf einen großen Felsblock, der warm und einladend dort in der Sonne wartet.

Du kannst Dich darauf ausstrecken und im Liegen die Libellen beim Tanzen beobachten. Die lassen sich nicht stören: sie schwirren über dem Wasser und dem umgebenden satten Grün, und folgen dabei den komplexen Regeln eines Tanzes, den nur sie kennen.
Du lauschst dem Murmeln des Wassers, das sich mit dem Summen der Bienen vermischt. Es gibt Wiederholungen, Resonanzen, Melodien und Harmonien.

Das ist Musik und Du fühlst Dich, als ob Du vom besten Logenplatz aus einer ganz besonderen Aufführung beiwohnst.

Du lächelst bei dem Gedanken und unterdrückst den Impuls, den Libellen zu applaudieren. Stattdessen drehst Du Dich in eine bequemere Position, legst die Hände hinter den Kopf und beobachtest die weißen Wolken, die den blauen Himmel streicheln.
Aus dem Augenwinkel nimmst Du die Wipfel des Waldes wahr, der diesen Ort schützend umgibt.

Du saugst die Ruhe Deiner Umgebung auf und spürst, wie sich Deine Batterien aufladen und Dein Herz weit wird.

Du bist verbunden mit den Bäumen, den Bienen, den Wolken und dem Bach.
Du bist Teil dieses Tanzes, genau wie die Libellen. Du hast das Gefühl, mit dem Felsen zu verschmelzen und schließt die Augen.
Ein paar Atemzüge lang genießt Du einfach die Entspannung, die Gelassenheit.
Dann fängst Du an, Dich zu strecken, Hände und Füße zu bewegen, atmest tief durch und kommst zurück in diesen Moment.

Im Hier und Jetzt, wo Du sitzt und dies liest, weißt Du, dass der Ort auf jener Lichtung ewig ist.

Du weißt, dass dieser Platz Dir gehört, dass Du in den Wald Deiner Vorstellung zurückkehren kannst, wann immer Du es willst. Es beginnt immer ganz einfach: „Stell Dir vor…

Herzlichst, wo immer du gerade bist,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

 

P.S.: Ich glaube, dass die Visualisierung eines lebendigen und blühenden Waldes alle Wälder dieser Erde dabei unterstützt, sich von dem zu erholen, was sie gerade durchmachen.
Und, bitte: Klimaschutz.
Lasst uns tun (und vor allem: lassen), was wir nur können.

 

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