Migräne: der Schriftzug vor einem von Blitzen umzuckten Gehirn. (c)2018 Johanna Ringe www.dein-buntes-leben.de

Nein, es geht nicht – meine Migräne!

Da es mir mit einer auslaufenden Migräne gerade heute unglaublich schwer fällt, einen klaren Gedanken zu fassen, ganz zu schweigen davon, diesen Gedanken dann auch noch festzuhalten und aufzuschreiben, nehme ich Abstand davon, es zu versuchen. Mit den Schmerzen, der leichten Übelkeit, dem Schwindelgefühl beim Scrollen, hat das einfach keinen Zweck.

Es geht nicht. Ich habe es versucht. Trotz Migräne hab ich es versucht.

Habe mich hingesetzt, angefangen, der Routine Raum gegeben, ihre Magie zu wirken. Aber nein, es geht nicht. Und wieder einmal bleibt mir nur, mein Scheitern am selbst gesetzten Anspruch: „Jeden Mittwoch wird gebloggt!“ einzugestehen. Alle zeigen sich verständnisvoll, aber sie begreifen nicht, wieso mich das so sehr stört!

Diese Sorge, den selbstgesetzten Standard einmal nicht zu beachten, und damit in das gefürchtete „Jetzt ist es auch egal!“ abzugleiten…

Wenn eine schnell gelangweilte Vielbegabte sich zu so einer regelmäßigen Sache endlich einmal hin erzogen hat, dann fürchtet sie eben ständig, aus den selbst auferlegten Regeln auszubrechen. Erstens fühlt es sich an wie eine Bankrotterklärung, und zweitens müsste man das eine oder andere „Siehste!“ ertragen – zwei Dinge, die ich in meiner angeschlagenen Verfassung heute noch viel mehr vermeiden will als an guten Tagen.

Es ist ein Teufelskreis!

Der Wunsch, die Leser nicht zu langweilen, ihnen irgendeinen sogenannten „Mehrwert“ zu bieten (Was ist das eigentlich genau?), wird bei jedem persönlichen Satz lauter. So geht es nicht, so kannst Du das nicht veröffentlichen, das ist peinlich, sinnloses Gejammer, dann lieber gar nichts… aber damit öffnen wir dem Niedergang Tür und Tor! Womöglich habe ich die Migräne ja überhaupt nur, um mich vor den Aufgaben zu drücken?!

Je schlechter es mir geht, je angeschlagener ich bin, um so stärker sind mein Perfektionismus und mein innerer Kritiker!

Kennst Du das auch? Kennst Du Tage, an denen Du Dich lieber quälst, als nett zu Dir selbst zu sein, weil es Dir wie ein Eingeständnis Deiner eigenen Unfähigkeit, Deines Mangels an Pflichtgefühl und Ernsthaftigkeit vorkäme? Tage an denen Du Dich krank zur Arbeit schleppst? Und kommt Dir jetzt, beim Lesen, auch der Gedanke, dass das an sich Quatsch ist (um wesentlich farbigere Benennungen zu vermeiden)? Das ist großartiger, gigantischer Quatsch, selbstzerstörerisch und unproduktiv!

Mit entspannterem Geist, ohne Migräne, könnten wir viel besser arbeiten, evtl. einen Tag später, ja, aber wäre das wirklich eine Katastrophe?

Ein Ausdruck unserer Klugheit und Menschenfreundlichkeit wäre es, unsere Migräne/WasAuchImmer auszukurieren, und dann in ausgeruhtem Zustand gute Arbeit zu leisten. Es wäre erwachsen, sich um sich selbst zu kümmern wie um eine gute Freundin, und sanft und heilsam mit diesem kranken Menschen umzugehen, auch wenn wir selbst dieser kranke Mensch sind und es deshalb in unserer Macht stünde, über gesunde Grenzen hinwegzugehen, und uns zu verausgaben – auf eine Weise, die wir unserer Freundin unbedingt ausreden würden! Gut mit uns selbst umzugehen wäre die kluge Entscheidung.

Nein, es wäre keine Katastrophe, sondern ein Akt der Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Warum ich dann immer wieder hier sitze, und schreibe, statt mich in ein dunkles Zimmer zu legen? Warum ich von mir selbst Dinge fordere, die ich von Dir oder meiner Freundin oder meinem Kind niemals fordern würde? Weil ich ein Mensch bin. Ein unfertiger aber lernfähiger Mensch, dessen größter Wunsch es ist, anderen lernfähigen Menschen beizubringen, wie sie liebevoller mit sich selbst umgehen können. Und weil das hier heute eine Gelegenheit war, die zu gut war, um sie zu verschenken…

Herzlichst, wo immer Du gerade bist,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

 

P.S.: Und nein, totaler Rückzug ist keine Patent-Lösung, liebe Hochsensible!!!

P.P.S.: Und ja, meiner Erfahrung nach ist Migräne eine typische HB und HS Geschichte… vielleicht gibt es sogar neurophysiologische Erklärungen dazu, ich habe heute keine Lust, da nachzuforschen. Wenn Du näheres weißt, hinterlass gerne einen Kommentar!

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