Coaching

Bunter Muskel Mut

Mut ist ein bu nter Muskel. (Text auf Acrylbildausschnitt) ©Johanna Ringe 2022, www.dein-buntes-leben.de

Mut ist ein vielfarbiges Ding. Manchmal hilft er Dir, Deine Ängste zu überwinden. Manchmal übernimmt er die Kontrolle, ohne dass es Dir bewusst wäre, und dann tust Du etwas wunderbar Dummes und Erstaunliches. Manchmal ist Mut sehr laut und sichtbar; in anderen Fällen wird ihn niemand bemerken. Aber er ist da. Du hast Mut.

Ich betrachte mich selbst gar nicht als mutig.

Ja, ich ziehe mich meistens sehr extravagant an, trage mein Herz auf der Zunge, habe seit bald acht Jahren Regenbogenhaare, seit einem Jahr einen Irokesen – viele Menschen haben mich deshalb mutig genannt. Es hat sich aber nie so angefühlt, sondern eher, als würden nach und nach immer mehr Masken abfallen und zersplittern. Nicht um zu prahlen, nur um besser atmen zu können. Gerader zu stehen. Freier zu gehen.

Ich musste nur aus dieser Angst herauswachsen.

Der Angst als das gesehen zu werden was ich bin: klug, bunt, seltsam und eigenartigerweise ziemlich süß. Menschen sind von mir irritiert, daran bin ich inzwischen gewöhnt. (Naja, ich bin fast 50…) An manchen Tagen liegt mir die Welt zu Füßen. An manchen Tagen ist es gut ich selbst zu sein. Aber es gibt noch andere Tage: dunkel und voller Schrecken, die ich einfach nicht verdauen kann. Tage ständiger Fassungslosigkeit. Tage voller Selbstkritik und Selbstzweifeln.

An manchen Tagen braucht es Mut, um morgens aufzustehen.

Allein das Wissen um das, was mich in Zeitungen, Gesprächen und auf dem Bildschirm erwartet, macht mich dann beklommen. Manchmal könnte die Welt sich gerne ohne mich weiterdrehen – wenn sie so entschlossen ist, all diese verfl…ten Dummheiten zuzulassen, bin ich raus. Ich nehme mir den Tag frei. Nicht aus Angst, sondern aus Rücksichtnahme: die Leute, denen ich an diesem Tag begegnen würde, haben einfach nicht verdient meine Blitzableiter zu sein.

Oft braucht man Mut, um die Klappe zu halten.

Natürlich gibt es Momente, in denen Du Mut brauchst, um den Mund aufzumachen, für Dich oder für jemand anderen. Aber wenn Du erst mal frei sprechen gelernt hast dann wird es immer schwieriger ruhig zu bleiben. Es wird schwieriger sich nicht in nutzlose Wortgefechte verwickeln zu lassen oder in die nackte Aneinanderreihung schrecklicher Dinge.
Manchmal brüllt die Welt Dich an, versucht Dich zu provozieren, will Dich ablenken von einfachen Lösungen, und Du musst all Deinen Mut zusammenkratzen, um ruhig zu bleiben. Dinge nicht zu eskalieren, braucht Mut. Dinge, wenn nötig, zu eskalieren, auch.

Wie können wir das üben? Wie wird es leichter, mutig zu handeln?

Nun, fangen wir mit den kleinen Dingen an. Nimm Fragen ernst, die rhetorisch gemeint waren.  Sag Deine Meinung in ruhigen Momenten, spielerisch. Lass es locker angehen, und wachse langsam in eine Person hinein, die ihre Meinung sagt, ganz im privaten. Und dann, das verspreche ich Dir, wird es leichter werden, Deine Meinung auch öffentlich zu äußern.

Unsere Meinung zu sagen, braucht Mut und lässt uns wachsen.

Ja, Du wirst Dich entblößt fühlen, Du wirst Blut und Wasser schwitzen, Dir werden die Knie schlottern, aber das ist es wert! Irgendwann kommt der Punkt, an dem Du nicht mehr aufstehen oder laut werden musst. Du wirst präsent sein, und die Menschen werden wissen wer Du bist. Dann kommt eine Zeit, in der Du ruhig und sogar wieder stumm bleiben kannst, ohne Deine Gefühle und Gedanken zu verbergen.

Erst lernst Du sprechen, dann lernst Du schweigen.

Vielleicht geht es bei Dir gar nicht um das Aussprechen Deiner Meinung. Vielleicht möchtest Du Dich endlich anziehen, wie Du Dich fühlst. Oder unabhängiger in Deinen Gedanken oder in Deinen Taten werden. Das Training ist dasselbe: erst versuchst Du mutig die kleinsten Schritte zu gehen, dann werden die Schritte peu à peu größer. Dann lernst Du langsam zu erkennen, wo Du nicht im Tun mutig sein musst, sondern im Lassen. (Wie ein Kind, das gerade Fahrradfahren gelernt hat, eine Weile überall mit dem Fahrrad hinfährt – ja, auch ins Kinderzimmer, auch zum Bett. Die meisten von uns kennen das doch auch.)

Mut ist ein Muskel, der trainiert werden will.

Ist der Muskel erst mal trainiert, braucht es viel weniger Kraft ihn zu benutzen. Aber, wie mit jedem anderen Muskel auch, musst Du ihn immer weiter benutzen damit er nicht atrophiert. Und wie jeder andere Muskel will er vorsichtig und bewusst trainiert werden. Übertreibe es nicht. Und vergiss nicht, im Austausch mit Deiner Angst zu bleiben, Deinem treuesten Freund. Sie wird Dir mit der Zeit sogar helfen, mutiger zu werden. (Mehr über Deinen treuen Freund und das Erweitern Deiner Komfortzone findest Du hier.)

Ich freue mich sehr darauf, Dich zu treffen, so mutig, strahlend und furchterregend BRILLANT, wie Du bist.

Herzlichst, wo immer Du gerade bist,

Unterschrift Johanna (c) Johanna Ringe 2014 ff. www.dein-buntes-leben.de

P.S.: Ein Geheimnis zum Thema verrate ich Dir hier…

Print Friendly, PDF & Email