Scanner mit Selbstdisziplin (c)Johanna Ringe 2016 www.dein-buntes-leben.de

Scanner haben keine Selbstdisziplin? Bulls*#%!

Wenn Du Dich als vielbegabte Scanner-Persönlichkeit verstehst, dann kennst Du sicher Vorwürfe wie die Folgenden aus Deiner Kindheit:

  • Dir fehlt einfach die Selbstdisziplin!
  • Bring doch einmal eine Sache zu ende, bevor Du etwas Neues beginnst!
  • Wieso übst Du nicht regelmäßig?!
  • Warum liegen bei Dir schon wieder 15 verschiedene Bücher gleichzeitig?
  • Musst Du beim Hausaufgaben machen auch noch Musik hören und basteln und ein Buch lesen? Das geht nicht!
  • Zieh das doch endlich mal durch!
  • Was, schon wieder ein anderes Instrument?!
  • Wozu brauchst Du so viele verschiedene Werkzeuge/Farben/Instrumente/Nachschlagewerke/Sportarten?!
  • Wenn Du nicht mal bis Weihnachten dabei bleibst, dann bekommst Du keinen anderen Unterricht/Vereinsbeitrag bezahlt!

Vermutlich haben diese oder ähnliche Vorwürfe bei Dir das Gefühl hinterlassen, Du könntest nichts richtig machen, nichts zu ende bringen und mit Dir wäre irgendetwas Grundlegendes nicht in Ordnung. Die Worte „Disziplin“ und „Selbstdisziplin“ jagen Dir Schauer über den Rücken und triggern Dein Trotzverhalten. Klingt das vertraut?

Willkommen im Club! Und vor allem: Alles ist in Ordnung mit Dir!

Vielinteressierte und vielbegabte Kinder sind in den Augen ihrer (Nicht-Scanner-) Eltern oft einfach nur eines: undiszipliniert! Vielleicht auch noch impertinent, weil sie Widerworte geben, und ganz sicher auch unverständlich, weil sie trotz allem irgendwie durch die Schule kommen und ihre Instrumente auch mit zehnminütigem Üben beherrschen.Das verunsichert die Eltern, wenn sie es nicht verstehen. Sie wollen ihr Kind auf die Welt bestmöglich vorbereiten, und ihm die Regeln dieser Welt beibringen. Kindererziehung ist immer ein schwieriger Tanz zwischen Einfordern des schützenden Gehorsams und Ermunterung zur Autonomie. Und vielbegabte Kinder sind oft klug, sehr reflektiert und stellen alles in Frage.

Viel „Müssen“ und „Sollen“ verunsichern das Kind, wenn diese Zwänge oder Regeln nicht mit den eigenen Werten und Einsichten übereinstimmen.

Denn dieses Kind, das Du warst, das hatte doch schon eine recht genaue Vorstellung von seinem Leben und von der Welt, egal wie begrenzt diese damals noch gewesen sein mag.
Körperpflege, Nahrungsaufnahme und andere Notwendigkeiten hast Du eingesehen, und Dir angeeignet. Wie alle anderen auch.
Du trägst warme Kleidung, wenn es draussen kalt ist, und hast spätestens nach den ersten schmerzhaften Erfahrungen gelernt, Dir regelmäßig die Zähne zu putzen. Da bist Du diszipliniert.

Da unterwirfst Du Dich den Regeln, denn sie erscheinen Dir sinnvoll. Und Regeln, die in Deinen Augen nicht sinnvoll sind, wirst Du nicht befolgen.

Das alles entspricht durchaus der Definition von Selbstdisziplin: „Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.“*
Meiner Meinung nach haben Scannerpersönlichkeiten durchaus Selbstdisziplin, wie jeder andere auch. Nur ist es für Nicht-Scanner oft unbegreiflich, wo diese zutage tritt:

  • Ganz sicher nicht bei der Beendung von Aufgaben, die wir innerlich abgehakt haben.
  • Und nicht beim Üben von Sachen, die uns nicht interessieren.
  • Aber sehr wohl in der Recherche für ein neues Thema, in das wir uns gerade verlieben.
  • Und in unseren kleinen Wohlfühlritualen, selbst wenn diese alle paar Monate wechseln.
  • Auf jeden Fall im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen. (Oder gehst Du oft im Nachthemd zum Bäcker?)
  • Auch im Pflegen unserer Beziehungen – zu den wirklich wesentlichen Menschen in unserm Leben.
  • In unserem unermüdlichen Streben nach Selbstverwirklichung.
  • In unserer beharrlichen Neugier auf diese Welt.
Immer wieder diesen Anfang zu machen, die ersten Babyschritte in einer neuen Disziplin, einer neuen Tätigkeit, einem neuen Wissensgebiet… ja, das erfordert definitiv Selbstdisziplin.

Du bist vielleicht schneller gelangweilt als andere, aber dafür fängst Du eben auch mehr an. Immer und immer wieder. Und manchmal entstehen dabei Kostbarkeiten, manchmal Murks. Aber das weiß man ja erst, wenn man es probiert hat, nicht wahr?

Ich hoffe sehr, daß Du mit diesem Text dem sperrigen Wort „Selbstdisziplin“ etwas näher gekommen bist.
Und dass Du Dich ein bisschen wohler fühlen kannst, mit Deiner Art, liebe Renaissance-Seele. Ohne Dich wäre die Welt ein grauerer und langweiligerer Ort.

Herzlichst, wo immer Du gerade bist,

Johanna Ringe www.dein-buntes-leben.de

 

P.S.: Hier findest Du einen anderen, noch persönlicheren Beitrag zum Thema Selbstdisziplin.

P.P.S.: Wie stehst Du zu dem Thema? Ich freue mich auf Deine Meinung in den Kommentaren!

 

 

*zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstdisziplin, abgerufen am 26.10.2016, 14:50
Wie anstrengend es ist, sich die Zähne zu putzen oder sich zu bekleiden, darüber könnte man sich streiten.

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