Loslassen (c)2015 Johanna Ringe dein-buntes-leben.de

Loslassen, wie geht das?

Eigentlich sollte man doch erfreut sein, und sich nach der Befreiung sehnen. Das Positive sehen. Dennoch scheint es oft noch schwerer zu sein, ein bekanntes Übel gegen etwas unbekanntes einzutauschen, auch wenn das Unbekannte die Freiheit ist. Oder besser: weil das Unbekannte die Freiheit ist. Denn Freiheit schüchtert ein. Veränderung schüchtert ein.
Es ist, als würden wir wieder in unserer muffigen alten Höhle am Feuer sitzen, und den Versprechen der frischen Luft und weiten Sicht einer Holzhütte am Hang misstrauen. Unsere Höhle kennen wir, und wir wissen sie zu verteidigen. Die neue Situation bringt zwar Positives mit sich, aber eben auch neues Gefahrenpotential. Wer weiß schon, ob nicht ein böser Nachbar eine Geröll-Lawine losbrechen lässt? Oder die Hütte anzündet? Nein,nein, dann bleiben wir lieber in unserer dunklen Höhle, da fallen auch unsere Unzulänglichkeiten viel weniger ins Auge…

Wir haben nichts zu verlieren ausser unserer Angst , Bild:(c)2015 Johanna Ringe dein-buntes-leben.de

Wir haben nichts zu verlieren ausser unserer Angst!

Jede große Veränderung ist mit Angst verbunden. Wir wollen in Sicherheit sein, vielleicht mal ein bisschen Abwechslung, zum Beispiel im Urlaub, aber im Großen und Ganzen wollen wir Sicherheit. Routine gibt uns Sicherheit, To-Do-Listen geben Stabilität. Denn die Veränderung mit allen Konsequenzen macht Angst. Zu viele Unwägbarkeiten drohen, vermischt mit der Lust am Neuen, und den wunderbaren Möglichkeiten. Angstlust macht sich breit, sobald ich mal eine Pause habe. Dann doch lieber weiter Wuseln, weiter Arbeiten, weiter Machen… oder? Nein, ich möchte inne halten. Möchte mich einlassen auf dieses Gefühl von freiem Fall, dem Kribbeln im Bauch, dem Ziehen in der Seele.
Da will etwas Neues entstehen, mit mir und in mir, und ich will hellwach bei seiner Geburt dabei sein!
Die sommerlichen Temperaturen zwingen mich ohnehin zu Verschnaufpausen, und Trinkpausen, und der Körper signalisiert unbarmherzig, wann es ihm reicht. Dann muss ich aushalten, was aufsteigt. Dank der Ferienlaune bin ich aber auch bereit für Veränderung: ein Urlaubsort gibt Neues, und darauf freuen wir uns… Von dieser Lust auf neue Eindrücke lasse ich einfach einiges auf meinen Umzug tropfen, leite Emotionen um, und geniesse die Angstlust mal für einen Moment.