Coaching

Weg(e) vom Problem zur Klärung 1

Weg(e) vom Problem zur Klärung Bild (c)2014 Peter Ringe sr.

Eine der Grundannahmen im Coaching ist, dass jeder die Lösungen für seine Probleme bereits in sich trägt. Aber den Weg vom Problem zur Lösung zu finden ist nicht immer einfach. Darum geht es hier in Teil 1.  (Teil 2 wird sich detaillierter mit verschiedenen erprobten Wegen befassen.)
Manchmal, da rennt man immer im Kreis um ein Thema herum, ohne es wirklich zu behandeln, zu begreifen. Man steht da, schaut darauf, und hat das dringende Gefühl, man sollte etwas tun, irgendetwas nicht näher Erkennbares. Aber etwas anderes hält uns davon ab: wir tun nichts, sondern kreisen weiter im Nebel.

Manchmal ist einfach unser Kreisen das Thema

Dann ist es nicht unser Problem, unsere Sache, unser Job, sondern wurde uns von außen dahin gestellt. Unsere Gedanken dabei sind vielfältig:

  • Warum komme ich nicht in die Gänge und tu es einfach?
  • Wieso bleibt das alles so nebulös?
  • Was hält mich denn davon ab, es anzupacken?
  • Will ich das wirklich tun oder nicht?
  • Warum fühle ich mich verpflichtet, das zu tun?

Hilfreich, um aus einer solchen inneren Lähmung herauszufinden, ist meistens, sich weitergehende, offene Fragen zu stellen, wie beispielsweise

  • Was ist das Schlimmste, was geschehen kann?
  • Was ist das Beste, was geschehen kann?
  • Wovon lenkt diese Blockade mich eigentlich ab?
  • Wie wäre mein Leben ohne dieses Problem?
  • Wie wäre ich oder wer wäre ich ohne dieses Problem?

Denn oft ist die Fixierung auf eine Lösung das eigentliche Problem

Es geschieht leicht, dass wir uns an einem Problem so festbeissen, dass wir darüber unsere Bedürfnisse oder Wünsche aus dem Blick verlieren. Manchmal sogar wunderbare Entwicklungen, die am Rand unseres Blickfeldes geschehen, gar nicht wahrnehmen. Hier tut Klärung not: es fehlt die klare Sicht.
Ein Beispiel: jemand ist so sehr mit dem Erarbeiten eines bestimmten Ausbildungsplatzes beschäftigt, dass er nicht merkt, wie sich im Laufe seiner Bemühungen andere Fähigkeiten und Stärken bei ihm selbst zeigen, die einen anderen Beruf nahe legen. Das kann von außen offensichtlich sein, für den Betroffenen aber jenseits seiner Wahrnehmung liegen. Er ist zu sehr auf sein Thema fixiert.

Offene Fragen erweitern das Blickfeld und dienen der Klärung

Indem ich mich für eine kurze Weile von meinem Thema abwende, mein Kreisen unterbreche, und scheinbar abwegigen Gedankengängen folge, erlaube ich meinem Gehirn aus den festgefahrenen Spurrillen auszubrechen. Damit hat es die Gelegenheit, neu an Dinge heranzugehen, von anderen Gesichtspunkten aus, unter anderen Prämissen nach Lösungen zu suchen. Spielerisch. Entspannt. Vom Druck befreit.
Ein Gespräch, zum Beispiel mit einem Coach, ist solch eine Gelegenheit, sich von dem Problem, um das man kreist, für einen Moment zu lösen, um eine Klärung und Lösung zu finden. Eine andere Möglichkeit ist das Schreiben. Es gibt viele Wege dorthin, weil wir Menschen so unterschiedlich sind… gemeinsam ist uns aber:

Die Lösung für unser Problem tragen wir in uns, die Kunst ist dabei, sie wahrzunehmen

Um Wahrnehmen zu können brauchen wir Momente der Ruhe, der Einkehr: um unseren eigenen Gedanken zu lauschen, und um unsere Sinne einzusetzen. Und wir brauchen unterschiedliche Methoden, um das Wahrgenommene zu erfassen, zu begreifen und umsetzbar zu machen. Jeder Mensch funktioniert anders, hat andere Lieblingssinne, andere Lieblingswege: manche suchen die Natur, andere das Gespräch, manche die Musik, andere die Stille.
Leider ist Selbstwahrnehmung und Problemlösung noch kein Schulfach, obwohl sich Methoden wie Meditation, Achtsamkeit, klärende Schreibübungen, lösungsorientierte Zwiegespräche und anderes gut vermitteln und einüben lassen.

Klärung braucht Gedankenfreiheit und ein wohlgesonnenes Gegenüber.

Als Jugendliche verbringen wir viel Zeit mit Gesprächen, aber auch mit Musik und Bewegung. Manch nebulöse Gedanken klären sich beim langen Marsch zum Freund im nächsten Ort, andere im Gespräch mit der besten Freundin, die auch unbequeme Fragen stellt, oder den Finger in die Wunde legt, aber immer auf unserer Seite ist.
Als Erwachsene haben wir im besten Fall auch ein solches Gegenüber, ob Partner, Kollegin, Freund oder Coach – wir sollten uns auch selbst ein wohlgesonnenes Gegenüber sein. Und sollten uns auch immer wieder die Zeit nehmen, unseren Gedanken zu folgen wohin sie uns tragen, ungelenkt und frei… tust Du das? Ich würde mich freuen von Deinen Wegen und Methoden zu hören!

Herzlichst, wo immer du bist,

Johanna Ringe

 

 

P.S.: Im zweiten Teil von „Weg(e) vom Problem zur Klärung“ werde ich dir einige erprobte Methoden genauer vorstellen!

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4 Kommentare zu “Weg(e) vom Problem zur Klärung 1

  1. Hallo Johanna,

    schöne und hilfreiche Dinge, die du hier aufschreibst – danke! Ich suchte Input zum „Inneren Team“ und habe diesen durch deinen Artikel gefunden.
    Auch diesen Satz von dir finde ich stark: „Denn oft ist die Fixierung auf eine Lösung das eigentliche Problem.“ Sehr cool. Darüber lohnt es zu reflektieren.
    Keep going!
    Viele Grüße
    Boris

  2. Liebe Johanna, das war spannend, dieses „altbekannte“ Thema aus deiner Sicht wahrzunehmen, vielen Dank, es hat mir viel Spaß gemacht :)

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