Das Bunte Leben

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung?

Weg am Waldrand

Seit meiner Kindheit begleitet mich das Sprichwort: „Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung!“. Damals sicher eher als mahnender Hinweis von Seiten der Großmutter, man sollte bitte auch entsprechend handeln, wenn man doch bereits gemerkt hat, dass man sich dumm verhält. Es war ein lästiger Spruch, abgenutzt und noch heute fühle ich mich oft gerügt, wenn ich die Worte lese oder höre – dennoch bin ich überzeugt, dass darin eine tiefe Wahrheit steckt:

Selbsterkenntnis, also sich selbst besser zu kennen, hilft das Leben zu verstehen!

Im fünften Jahrhundert wurden die Worte „Gnothi seauton“ (d.h. „Erkenne Dich selbst“) im Apollontempel in Delphi eingraviert. Dies zeigt, dass dieser Rat bereits vor so vielen Jahrhunderten jedem Tempelbesucher, und wahrscheinlich schon früher von allen Weisen an alle Suchenden gegeben wurde.  Ratsuchende, Menschen, die mit ihrem Leben, ihren Mitmenschen oder sich selbst Probleme haben, gingen damals in die Tempel, heute zur Beratungsstelle, zum Arzt, zum Geistlichen, zum Coach. Letzen Endes geht es in jedem der Fälle um das Gespräch mit Aussenstehenden, die einen frischen, objektiven Blick auf die Probleme und im besten Fall auch entsprechende Lebenserfahrung mitbringen. Sie werden dem Ratsuchenden zuhören, ihm Fragen stellen, ihm die eine oder andere Geschichte erzählen, und diesem Menschen so helfen, sich selbst und die eigenen Probleme besser einzuordnen. Sich selbst zu erkennen, als einen Menschen mit einem bestimmten Problem: Als eine Mutter ohne Zeit. Einen Alleinverdiener vor dem Burnout. Einen Künstler in lähmendem Brotberuf. Eine ruhelose Poetin.

Selbsterkenntnis hilft, das Leben mehr zu geniessen!

Indem wir unser Problem immer genauer erkennen, und uns immer besser Kennenlernen, sind wir auch immer besser dazu in der Lege, unser Leben unserer Persönlichkeit und unseren Bedürfnissen anzupassen. Wenn wir beispielsweise erkannt haben, dass uns Zeit für etwas Bestimmtes fehlt, dann können wir sie uns besser erkämpfen. Wir können uns erst dann voll entfalten, wenn wir überhaupt wissen, wer wir sind.
Spätestens im Rückblick werden wir unsere Handlungen verstehen, und aus unseren Fehlern und Irrtümern für unsere Zukunft lernen. Und wenn wir unser Leben immer mehr an unser Selbst anpassen, dann werden wir es auch immer mehr geniessen! Was uns entspricht gibt uns Kraft: der Gipfelstürmer ist in den Alpen sicher glücklicher als an der Küste, während die Muschelsucherin jeden Sommer ans Meer fährt, um sich in ihrer Haut wohl zu fühlen.

Lebensplanung braucht Selbsterkenntnis

Wenn ich meinen Töchtern bei ihrem Weg durch die Schule zuschauen muss, und ihre Kämpfe um Wahlkurse und Anderes nur begleiten, aber nicht für sie entscheiden kann, dann wird mir ganz klar: diese jungen Menschen brauchen noch viel mehr Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis, um wirklich über ihren zukünftigen Beruf entscheiden zu können! Es ist in meinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit, als Teenager den richtigen beruflichen Weg einzuschlagen. Die wenigsten Menschen sind in diesem Alter schon so ihrer Stärken und Schwächen bewusst, dass sie ihre Zukunft klar planen können. Ausbildungswechsel, Studienfachwechsel und Quereinstiege sind die logische Folge. Aber das ist durchaus nichts Schlechtes! Alle Umwege und Irrwege zeigen den jungen Menschen ein immer klareres Bild von sich selbst; sie gewinnen Selbsterkenntnis. Und diese, das wusste schon meine liebe Großmama, ist nun mal der erste Schritt zur Besserung!

Und so wünsche ich Dir ein buntes Leben voller interessanter Umwege und Irrwege, auf dass deine Selbsterkenntnis wachsen, und Du Deinen individuellen Weg immer klarer und deutlicher sehen mögest! Lass los, was nicht deins ist, und wähle immer den authentischeren Weg…. Und dann, wenn du merkst wie gut dein Leben dir passt, dann kannst du es in vollen Zügen geniessen!

Herzlichst, wo immer Du bist,

Johanna Ringe

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