Selbstannahme

Bist Du auch ein Hochstapler?

Das Hochstapler Phänomen (c)2015 Johanna Ringe dein-buntes-leben.de

Kennst Du dieses Gefühl,

  • gleich käme jemand herein, würde sagen „So, das hat jetzt aber lange genug geklappt. Schluss mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen! Du kannst das hier nicht, Du hast keine Ahnung davon, wir haben Dich entlarvt!“.
  • die anderen Erwachsenen sind wirklich erwachsen, aber Du mogelst Dich seit Jahren (Jahrzehnten!) einfach so durch, und hoffst, dass es niemand merkt.
  • Du rechnest damit, daß irgendwann ein Brief von der Universität kommt, und man Dir den Abschluss aberkennt.
  • man lobt Dich überschwenglich für Deine Arbeit, aber Du selbst weißt ganz genau, was man viel besser hätte machen können, nein, müssen.
  • andere sagen, Du wärst wirklich gut in Deinem Job, talentiert, überdurchschnittlich begabt – aber Du weißt genau, daß Du einfach nur Glück hattest.

Ja? Du kennst das, und könntest diese Beispielliste problemlos fortsetzen? Du staunst darüber, daß ich das so genau weiß, wo Du doch niemals irgendjemandem auch nur ein einziges Sterbenswörtchen davon verraten hast, aus lauter Angst vor… ja… davor, ertappt zu werden? Tja, dann verrate ich Dir mal was: Du bist nicht alleine mit diesem Gefühl!

Herzlichen Glückwunsch, willkommen bei den Menschen mit Hochstapler Syndrom!

Bereits in den Siebzigern haben zwei Wissenschaftlerinnen, P.R.Clance und S.A.Imes, dieses Hochstapler Phänomen bei erfolgreichen Frauen erkannt und benannt.* Es kommt sehr wohl auch bei Männern vor, häufiger aber bei Frauen, und sehr gehäuft bei hochbegabten Menschen (unabhängig von wirtschaftlichem Erfolg oder Bekanntheitsgrad): bekannte Schauspieler ertragen es kaum, gelobt zu werden, fürchten immer den Verriss. Nobelpreisträger befürchten den Anruf, es habe da ein Versehen gegeben… Und gerade Vielbegabte mit ihren breitgestreuten Interessen sind prädestiniert dafür.

Anfänglich als unveränderlicher Persönlichkeitszug gesehen, ist man seither dazu übergegangen das Phänomen eher als Reaktion auf bestimmte Erfahrungen zu betrachten.**

Manche Erfahrungen scheinen dazu beizutragen, daß Menschen diese Idee entwickeln: beispielsweise sehr erfolgreiche Eltern, die von den Kindern stillschweigend ähniche Ergebnisse erwarten, oder auch das Überflügeln der Herkunftsfamilie bezüglich Bildung und wirtschaftlichem Erfolg. Selbstverständlich gehört hier immer das Gesamtbild dazu, alle Erfahrungen  gemeinsam mit allen Charakterzügen machen den Menschen aus. (Interessant finde ich dennoch die Häufung gerade bei erfolgreichen Frauen. Was sagt uns das über die Erwartungshaltungen, denen Mädchen und Frauen auch heute noch in unserer Welt begegnen, die sie erfahren und verinnerlichen?) Das Gute daran ist, daß man umlernen kann, alte Glaubenssätze neu überschreiben kann! Der Wikipediaartikel*** enthält folgenden trefflich formulierten Satz:

Die effektivste Therapie zur Überwindung des Hochstapler-Syndroms ist zu erkennen, dass es existiert.

Und genau das möchte ich Dir vorschlagen: erkenne an, daß Du diesem Irrglauben Raum in Deinem Kopf gegeben hast. Gib vor Dir selbst zu, daß alle Diplome und Auszeichnungen, Belobigungen und Komplimente Dich nicht davon abbringen konnten, so zu fühlen. Schau genau hin!

  • Denk darüber nach, in welchen Situationen Du dieses Gefühl hast.
  • Mach Dir ganz genau bewusst, in welchen Bereichen Du wirklich kompetent bist.
  • Schreibe Dir Listen mit all deinen Fähigkeiten, Fortbildungen, angeeigneten Wissensgebieten.
  • Sprich mit einer wohlwollenden Person darüber.
  • Bitte Freunde und Liebste um positives Feedback: „Bitte schreibe mir drei Dinge auf, die mich in Deinen Augen besonders auszeichnen!“
  • Führe ein Erfolgstagebuch.
Je bewusster Du Dir des Hochstapler Phänomens bist, desto schneller wirst Du Dich davon freimachen können!

Mach Dir klar, wieviel Wissen, wie viel Kompetenz Du in all den Lebensjahren wirklich erworben hast, wo Du deutlich überdurchschnittlich bist, und wieviele Menschen Dir das schon gespiegelt haben, mit Komplimenten, Jobangeboten, Beförderungen, Honoraren, Empfehlungen oder einem strahlenden Lächeln: „Danke! Das hast Du gut gemacht!“ Und dann glaub diesen Menschen endlich.
Du hast es verdient, gelobt zu werden für Deine Leistungen, auch wenn es Dir vielleicht in manchen Bereichen leichter fällt als anderen, weil Du gewisse Begabungen hast, so hast Du doch auch etwas dafür getan. Du hast durchgehalten, hast ausformuliert, Rezepte umgesetzt oder einen Entwurf gezeichnet…

wo auch immer deine Kompetenzen liegen mögen, sie existieren!

Erkenne sie an. Lebe sie. Lerne, Lob anzunehmen. Und vielleicht sogar, Dich selbst zu loben, hm? Ich wünsche Dir viel Freude dabei, und hoffe, daß Dir das nächste Mal, wenn Du Dich wieder mal als Hochstapler fühlst, dieser Artikel einfällt. Jetzt geh da raus, und sei Dein brilliantes Selbst!

Herzlichst, wie auch immer Du dich gerade siehst,

Johanna Ringe

 

 

 

 

*Pauline R. Clance, Suzanne A. Imes: The impostor phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeutic intervention. In: Psychotherapy: Theory, Research, and Practice. 1978.

**Rory O’Brien McElwee, Tricia J. Yurak: The Phenomenology Of The Impostor Phenomenon. In: H.W. Wilson (Hrsg.): Individual Differences Research. 8, Nr. 3, 5. Oktober 2012, S. 184–197.

***Zitiert nach https://de.wikipedia.org/wiki/Hochstapler-Syndrom, zuletzt am 13. Mai 2015 um 23:10 Uhr geändert.

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4 Kommentare zu “Bist Du auch ein Hochstapler?

  1. Kleine Anmerkung: selbst erfolgreiche Autoren kennen das…. Ausschnitt aus einem englischen Text von Amy Cuddy,von ihr selbst gelesen vermutlich, mit Zitaten von Neil Gaiman über das „Imposter-syndrome“: https://soundcloud.com/orionbooks/neil-gaiman-and-impostor-syndrome-an-extract-from-presence-by-amy-cuddy

  2. Friederike Maschmann

    Seeehr gut! Jetzt hast Du tatsächlich meinen inneren Hochstapler entlarvt! Danke nochmal!! Gruß, Friederike

  3. Hallo Johanna, Der Name deines Blogs dein-buntes-leben, hat mich gleich neugierig gemacht und da stoße ich beim reinschauen gleich auf diesen tollen Artikel. Du hast soooo recht! Danke
    Liebe Grüße Daniela

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