Renaissance Frau - Bild von Carlo Crivelli - http://dein-buntes-leben.de

Renaissance Frau – aktualisierte Neuauflage?

Die Scannerpersönlichkeiten, die Vielbegabten, werden auch Multipotentialisten, Polymaths, Multitalente, Polyhistoren oder Renaissance Menschen genannt. Letzteres ist der Zeit der europäischen Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert zu verdanken, einer Zeit, die unter anderem Leonardo da Vinci hervorgebracht hat:

Leonardo, der Idealtypus des vielfältig gebildeten, selbstbestimmten Universalmenschen.

Die Renaissance an sich ist das Werk einiger typischer Renaissance Menschen: eine Handvoll europäischer Fürsten, Gelehrte und Künstler, gebildet, begabt und bestrebt, die Welt zu verändern. Religionen und Weltbilder werden hinterfragt, das Diesseits gewinnt an Bedeutung, der Mensch wird in den Mittelpunkt gestellt. Wenn man vom Menschenbild der Renaissance spricht, so spricht man von den Männern, denn Frauen werden nicht ernst genommen, egal wie begabt. Einzig die gekrönten Häupter, wie Katharina von Aragón oder Katharina von Medici, spielen eine gewisse Rolle.

Männer können damals dank ihrer Leistungen gesellschaftlich aufsteigen, aber eine Frau? Einfach undenkbar.

Die kulturelle Elite des 15. und 16. Jahrhunderts sieht sich als Wiedergeburt der gebildeten kultivierten Menschen der Antike, auferstanden aus der Finsternis des Mittelalters, jener Zeit nach dem Niedergang der großen Kulturen. Ein Aufbruch in eine neue, optimistischere Zeit findet statt, gegründet auf die Individualität des Menschen und seine Fähigkeiten in allen Bereichen der Kunst, der Wissenschaft, der Welt!
Im gebildeten europäischen Bürgertum des 19.Jahrhunderts ist die Wahrnehmung der unmittelbaren Vergangenheit ähnlich finster, man studiert und verklärt die Zeit der Renaissance in der Kunst wie in der Philosophie. So verwundert es nicht, daß auch der Renaissancismus, in seiner Rückbesinnung auf die universell gebildeten Menschen jener Zeit, vom Universellen Menschen spricht, und Gott von Nietzsche für tot erklärt wird.

Die Begriffe Renaissance, Universalgenie und Universalgelehrter kommen im 19. Jahrhundert auf.

Wie in der Renaissance beklagt man den Verfall der Sitten und Werte, strebt nach Bildung und glorifiziert den Menschen. Auch hier kann man Mensch durch Mann ersetzen, rare Ausnahmen sind skandalumwittert. Wer dieses Thema farbenfroh illustriert sehen möchte, kann sich gerne mit Friedrich Nietzsche und Lou Andreas Salomé befassen, deren geistige Beziehung nicht zuletzt daran scheitert, daß Nietzsche im Renaissance Menschen Lou Andreas Salomé auf einmal die begehrenswerte Frau entdeckt – sehr zu ihrer Enttäuschung: sie sucht in ihm den ebenbürtigen Denkapparat, keinen Liebhaber.

Heute begegnet uns wieder der Begriff des universell Interessierten, vielseitig Begabten, des Renaissancemenschen.

Vor allem im englischen Sprachraum. Die Scannerpersönlichkeit nach Barbara Sher, die Renaissance Soul nach Margaret Lobenstine, oder jede andere aktuelle Beschreibung Vielbegabter, entspricht natürlich nicht exakt dem Menschenbild der europäischen Renaissance, aber mit der schnellen Auffassungsgabe, den Talenten in kreativen wie wissenschaftlichen Bereichen, und der Beschränkung auf einen kleinen Teil der Bevölkerung ist die Analogie doch leicht zu erkennen.
Und wieder ist es eine Zeit der Abkehr von organisierten Religionen, eine Zeit der Hinwendung zum Materiellen, Stichwort: Selbstoptimierung.

Der große Unterschied liegt meiner Meinung nach darin, daß heute Frauen definitiv mitgemeint sind!

Selbst wenn wir von echter Gleichbehandlung noch weit entfernt sind, und noch immer nicht genug Frauen auf Professuren und in Vorständen etc. sitzen, so ist es bei weitem nicht mehr so abwegig von vielbegabten Frauen zu sprechen, wie damals. Dennoch erfahren viele hochbegabte Frauen eine grundlegende Ablehnung eines Teils ihrer selbst, entweder wird ihnen die Weiblichkeit aufgrund ihrer Begabungen abgesprochen, oder die intellektuelle Hochbegabung in Frage gestellt aufgrund ihres Frauseins. Beides vollkommen absurde, aber alltägliche Phänomene, von denen viele weibliche Scanner berichten.Vor allen Dingen, wenn ihre Hauptinteressen in klassischen Männerdomänen liegen.

Es ist für eine Frau noch immer einfacher, hochsensibel zu sein, als hochbegabt. Von Vielbegabung ganz zu Schweigen.

Immer wieder wurde und wird das Bild des selbstbestimmten, universell gelehrten Individuums beschworen, um die gesellschaftliche Entwicklung voranzubringen. Ob das wirklich ein zyklisch wiederkehrender Prozess ist, oder eine stete Strömung, vermag ich heute nicht zu beantworten. Ich kann nur feststellen, dass der Begriff des Renaissancemenschen momentan die nächste Bekanntheitswelle surft, und dass wir der Geschlechtergerechtigkeit ein wenig näher sind als im 19. Jahrhundert, und deutlich näher als zu Leonardos Zeiten. Es gibt wissenschaftliche weibliche Nobelpreisträger, es gibt weibliche Professoren, es gibt gewählte weibliche Staatsoberhäupter – es gibt Vorbilder.

Oft sind es die Grenzen im eigenen Kopf, die es zu überwinden gilt, um als vielbegabte Frau ein erfülltes Leben zu führen.

Hier und heute sind die Möglichkeiten besser denn je für vielbegabte Frauen, ihre Begabungen in einem erfüllenden Leben auszuleben! Dabei kann ein Coaching helfen: gedankliche Muster zu erkennen, die hinderlich sind. Individuelle Lösungen zu finden. Persönliche Wege zum Glück zu erkennen und zu gehen. Mut zu schöpfen, und Durchzuhalten. Ich stehe Dir liebend gern dabei zur Seite!

Herzlichst, wo immer Du bist,

Johanna Ringe

 

Vielleicht hast Du Interesse an einem Workshop „Glückliche Scanner – friedvolle Vielbegabte“ – da gibt es Informationen satt, eine kreative Anregung den eigenen roten Faden zu finden und Austausch mit anderen Vielbegabten in kleiner Runde! Ich freu mich schon!

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Geteilte Freude ist doppelte Freude:

3 Gedanken zu „Renaissance Frau – aktualisierte Neuauflage?

  1. Hallo Johanna,
    normalerweise reagiere ich ja eher „allergisch“ auf diese Männer-Frauen-Unterscheidungen und Betrachtungen, doch zu diesem Thema – also wie unterschiedlich Männer und Frauen „sich aufstellen“ oder gewisse Dinge tatsächlich sich zutrauen und umsetzen – habe ich gerade am Wochenende vielfältig veranschaulicht bekommen. Im folgenden 2 Beispiele.
    Ich war auf einer Konferenz und habe dort einen 31jährigen Vielbegabten kennengelernt, der bereits zu Schulzeiten Firmengründer war, zwischenzeitlich mehr als 15 Unternehmungen umgesetzt hat (natürlich auch negative Erfahrungen wie Scheitern oder Übervorteilung durch Geschäftspartner miterlebt hat), dazu verheiratet ist und 2 Kinder hat.
    Ich habe mich gefragt wie er es geschafft hat so früh (nochmal: er ist gerade 31 Jahre alt) so intensiv zu leben und seine Ideen umzusetzen – und warum mir das im Gegensatz alles so schwer fällt. An Ideen mangelt es mir nicht, prinzipiell würde ich mich auch eher als leistungs-, dursetzungsfähig und kreativ einstufen, außerdem hatte auch er keine Unternehmer, Helfer oder sonstige Vorbilder in seiner direkten Umwelt gehabt…
    Ich glaube tatsächlich, dass das Frausein besser gesagt die damit verbundenen Erwartungen meines Umfeldes mir dabei im Weg gestanden haben. Als besonders fies kommt mir dabei dieses unterschwellige Wirken vor, diese nicht greifbaren Widerstände (da diese Dinge heutzutage nicht mehr ausgesprochen werden, denn es sollte ja jedem gleichermaßen alles offen stehen und jeder sollte theoretisch selbstbestimmt seinen Weg gehen dürfen). So hat auch meine kämpferische Natur keine Chance „einen greifbaren Gegner“ auszumachen und ich dümple verwirrt und unsicher herum und mache dann irgendwas was in Ordnung scheint. So ergeht es sicher sehr vielen Frauen – einerseits werden uns Dinge v.a. im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Kontext nicht zugetraut, andererseits wird häufig von den Menschen die wir lieben ein anderer Weg/ein anderes Leben von uns erwartet wie wir uns das selbst „designen“ würden.
    Zum 2. habe ich einen Mann kennengelernt, der versucht in einem von Logig dominierten Klientel „Aufklärungsarbeit“ zu leisten bzw. ein Gegengewicht zu setzen. Er möchte aufmerksam machen auf Träume, die Seele, all die nicht-fassbaren Aspekte des Lebens. Dieser Person begegnen ähnlich starke Widerstände wie im oben beschriebenen Fall – allerdings genau in entgegengesetzter Richtung. Von ihm werden Fakten und „Realitätssinn“ eingefordert – auch in den Bereichen in denen das schwer möglich ist, v.a. für ihn, den Feinfühligen und Intuitiven.
    Es ist wirklich dramatisch was uns durch „steifes“ Denken angetan wird und was wir zugleich auch anderen häufig damit antun… So bleibt uns nur das ständige Bemühen unsere eigenen Denkmuster/Weltbilder sowie auch diejenigen der Anderen zu hinterfragen und ggf. zu durchbrechen.
    Deswegen noch einmal ein ganz „dickes“ Dankeschön an Dich Johanna, dass Du tagtäglich sowie wöchentlich mit diesem Block diesen wertvollen Beitrag

    1. Bitte gerne, und dir ein dickes dankeschön für diesen dicken Kommentar!

      Die eigenen Denkmuster zu hinterfragen ist genauso wichtig, wie die von aussen kommenden Muster in Frage zu stellen. Bewusster Umgang mit den Rollenbildern, ja, da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen!

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